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Top 10 der beliebtesten Autoren-Fehler: was Lektoren in ihren Kommentaren bemängeln

Wenn ein Lektor ein Manuskript überarbeitet an den Autor zurückschickt, dann bricht bei unerfahrenen Nachwuchsautoren oft eine Welt zusammen. Anstatt lobender Worte stehen neben dem Text die immer gleichen Kommentare. Hunderte, manchmal sogar Tausende farbig markierter Stellen springen den Autor an und geben ihm unmissverständlich zu verstehen, was er besser machen kann bzw. sollte. Einige Evergreens finden sich in fast jedem Manuskript.

Die häufigsten Autoren-Fehler & Lektoren-Kommentare

Autoren machen die immer gleichen Fehler, nur deshalb sind Lektoren gezwungen, den Seitenrand des Manuskripts mit den immer gleichen Kommentaren zu schmücken. Texte und Autoren sind verschieden, doch kaum ein Manuskript kommt ohne die folgenden 10 Highlights aus.

  1. Komma: Der wohl beliebteste Kommentar aller Lektoren existiert in den Varianten „Komma einfügen“ und „Komma entfernen/löschen“. Grund hierfür dürfte sein, dass spätestens seit der deutschen Rechtschreibreform von 1996 und ihrer unzähligen Nachbesserungen immer mehr Autoren bei der Zeichensetzung nach dem Zufallsprinzip vorgehen. Sehr beliebt sind auch Interpunktionsfehler in Dialogen.
  2. Rechtschreibung: Mit der neuen deutschen Rechtschreibung stehen viele Schreibende auf Kriegsfuß. Neben einigen Klassikern (d oder t, k oder ck, Buchstabendreher, etc.) hat jeder Autor seine eigenen Dauerbaustellen, die vom Lektor in der Regel schnell erkannt und angegangen werden. Ein guter Lektor findet im Korrektorat (meist getrennt vom Lektorat, da andere Herangehensweise) mindestens acht von zehn Fehlern, ein sehr guter neun bis zehn.
  3. Streichen: Einer der wichtigsten Kommentare aller Lektoren ist „würd ich streichen“. Leider sehen Autoren dies oft anders. Bei einzelnen Wörtern sind sie meist kompromissbereit, doch wehe ein Lieblingssatz oder ganzer Absatz wurde für die literarische „Müllkippe“ vorgemerkt. Hier gilt einmal mehr der Grundsatz: ein Lektorat macht nur Sinn, wenn der Autor seinen Text nicht wie sein Kind verteidigt.
  4. Satzbau: Gerne platzieren Autoren ihren Infodump in Nebensätzen oder verknoten Wörter zu Sätzen, die selbst ein Sprecher der Tagesschau nicht fehlerfrei vorlesen könnte. Erfahrene Lektoren schaffen hier Ordnung, ohne den Stil des Autors zu verändern. Gerade im Bereich des Satzbaus kann man als Autor gut überprüfen, ob ein Lektor zu einem passt.
  5. Perspektive: Der Autor ist Gott, folglich darf er auch alles. Nach diesem Motto erschaffen viele Anfänger nicht nur ihre Fantasiewelten, sondern wechseln auch die Erzählperspektive. Anfangs auktorial, dann personal, plötzlich Ich-Erzähler und schließlich neutral. Egal, welche Erzählperspektive der Autor wählt, für jede Form gibt es gewisse Regeln. Selbst erfahrene Schriftsteller stoßen beim Perspektivwechsel oft an ihre Grenzen. Hinweise auf Fehler diesbezüglich sollte man als Autor sehr ernst nehmen.
  6. Einfacher: Geschichten zu erfinden und einen schlüssigen Plot zu konstruieren ist nicht immer einfach. Und bei manchen Manuskripten drängt sich das Gefühl auf, der Autor möchte diese Komplexität seinen Leser spüren lassen. Oft jedoch lassen sich komplexe Sachverhalte mit wenigen Worten darstellen. Alles, was nicht nach dem ersten Lesen verstanden wird, gehört daher auf den Prüfstand.
  7. Fremdwörter: In belletristischen Texten reagieren die meisten Lektoren allergisch auf Fremdwörter. Mit gutem Grund! Es ist interessant zu wissen, welches Wissen sich der Autor während der Recherche angeeignet hat und an welchen Stellen er seinen Wortschatz erweitert hat, doch dies gehört im besten Fall in ein Interview, nicht in einen Roman.
  8. Alternative: Für fast jedes Wort gibt es mindestens ein Synonym. Schlägt ein Lektor in einem Kommentar ein anderes Wort oder eine andere Formulierung vor, dann ist dies für gewöhnlich eine Kann-Option. Alternativen werden unter anderem aufgezeigt, um Wortwiederholungen zu vermeiden.
  9. Logik: Schreibt ein Lektor einen Kommentar wie „versteh ich nicht“ an den Seitenrand, sollten beim Autor alle Alarmglocken angehen. Wenn jemand, der sich mit voller Konzentration dem Text widmet, etwas nicht nachvollziehen kann, liegt das in 99 Prozent der Fälle nicht an besagter Person, sondern daran, wie es der Autor zu Papier gebracht hat.
  10. Laut Duden: Manchmal klingen richtig geschriebene Wörter zwar ganz nett, sehen aber selten dämlich aus (Beispiel: Schifffahrt, Bestellliste, Teeei). Manche Lektoren versehen daher einige knifflige Rechtschreibkorrekturen mit der Ergänzung „laut Duden“. Dies heißt eigentlich nichts anderes als: ich bin auch nicht begeistert, ist aber so.

Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Über den Punkt Streichen wird es aufgrund der großen Bedeutung in Kürze ein eigenes Posting geben. Dort widme ich mich dann ausführlicher dem Infodump und Autoren-Krankheiten wie Adjektivitis und Substantivitis, die – trotz Impfung durch diverse Autoren-Ratgeber – jede Saison Hochkonjunktur haben.

Bei allen Lektoren-Kommentaren gilt: nicht persönlich nehmen. Als Autor sollte man sich vielmehr über jeden gefundenen Fehler freuen, denn dafür hat man selber oder ein Verlag schließlich tief in die Tasche gegriffen. Jeder (qualifizierte) Kommentar verbessert das Preis-Leistungs-Verhältnis zugunsten des Autors. Wer sich dies vor dem Öffnen der Datei auf eine Haftnotiz schreibt und über den Bildschirm klebt, wird seine wahre Freude beim Überarbeiten des lektorierten Manuskripts haben.

Hinweis: Mehr Infos zum Lektorat findet Ihr auf der Themenseite Lektorat.