Ebook Artikel

Tolino vs. Kindle: die Gallier proben den Aufstand gegen Amazon

Was bei Asterix die Römer sind, ist auf dem eBook-Markt Amazon. Mächtig, auf Expansion ausgelegt und trotz großer Errungenschaften nicht von allen geliebt. Im Comic sind die Germanen rückständig und haben der Weltmacht aus Rom wenig entgegenzusetzen (auch hier ist die Realität nicht weit entfernt). Einzig die Gallier proben den Aufstand und widersetzen sich erfolgreich der Herrschaft Roms. Bleibt also nur die Frage, ob Thalia, Weltbild, Hugendubel, Bertelsmann Club und Deutsche Telekom mit Tolino endlich den lang ersehnten Zaubertrank gefunden haben.

Verleiht der Tolino E-Reader magische Kräfte?

„Tolino, die Leichtigkeit des Lesens“ lautet der Werbeslogan und es ist nicht weniger als eine Kampfansage an Amazon und seine Kindle-Lesegerät. Vom Timing her hätte das Konsortium aus Thalia, Weltbild, Hugendubel, Bertelsmann und Telekom die Tolino-Vorstellung in den Räumen der Deutschen Telekom kaum besser lancieren können. Amazon steht in der Kritik, viele Menschen suchen in Foren und Blogs händeringend nach sinnvollen Alternativen.

Bisher hatte Amazon auf dem deutschen Markt leichtes Spiel und sicherte sich vom E-Book-Kuchen Stück um Stück. Mit dem Kindle Paperwhite und Kindle Fire versorgte man Weihnachten 2012 die technikbegeisterten Deutschen mit günstigen E-Readern und band sie somit an das Kindle-Format, das sich – welch unglücklicher Zufall 😉 – auf anderen E-Readern nicht öffnen lässt. Das Prinzip nach Vorbild der Druckerindustrie (Kundenbindung über billige Hardware) schien aufzugehen.

Amazon-Skandal und wachsender Wechselwille

Die meisten Kindle Kunden sind zufrieden und Amazon müsste den neuen Konkurrent Tolino nicht fürchten, wäre da nicht dieser (aus Amazon-Sicht) lästige Skandal, den eine ARD-Doku über die Arbeitsbedingungen losgetreten hat. Plötzlich drohen Menschen mit Boykott, unterzeichnen Petitionen und fragen nach Alternativen.

Gewöhnlich sind solche Empörungswellen nur ein Sturm im Wasserglas (siehe Liedl und der „Kamera-Skandal“) und nach wenigen Wochen ist der Einkaufswagen wieder voll und das schlechte Gewissen der Kunden unter einem Berg Sonderangebote begraben.

Ob Tolino seine Chance mit dem neuen E-Reader Tolino shine nutzt wird daher am Ende nicht von Amazon abhängen, sondern davon, ob das Konsortium aus Thalia, Weltbild, Hugendubel, Bertelsmann und Telekom in Sachen Service und Angebot überzeugt und seinen Kunden eine ähnlich gute Hardware zur Verfügung stellt, wie es Amazon tut.

Fazit: ein paar Gallier gegen ganz viele Römer

Die Gallier proben den Aufstand gegen Amazon, doch das Leben ist kein Comic und der neue Tolino shine kein Zaubertrank. Es wird schwer, Kunden vom Wechsel zu überzeugen, aber nicht unmöglich. Spannend wird es in jedem Fall.

Im Handel wird der Tolino shine mit E-Ink-Display und integrierter Beleuchtung ab 7. März zu kaufen sein. Mit einem Preis von ca. 99 Euro kann er zumindest bei den Anschaffungskosten dem Kindle das Wasser reichen. Was für bzw. gegen den Kauf spricht, erfahrt ihr im Kindle-Tolino-Vergleich.