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Plagiatsvorwürfe gegen Bestseller Autorin Martina Gercke – Wenn sich Leser betrogen fühlen

Mit ihrem neuen Roman Champagnerküsschen präsentierte Bestseller Autorin Martina Gercke im Herbst 2012 den lang ersehnten Nachfolger von Holunderküsschen. Wieder regnete es gute Rezensionen und die Leser waren sich schnell einig: eine gelungene Fortsetzung mit ähnlich viel Humor und Charme wie der Debütroman.

Eine schlechte Bewertung mit vielen Belegen

Am 18. November 2012 änderte sich plötzlich die Stimmung. Amazon User AP gab dem Buch eine 1-Stern Bewertung und warf der Autorin „Dreisten Ideenklau“ vor. Doch Amazon ist glücklicherweise kein Online-Pranger wie so manches soziale Netzwerk und so kam schnell Kritik an der Bewertung auf, da AP seine schweren Vorwürfe nicht belegt hatte.

Die Geschichte wäre hier zu Ende, hätte AP dies nicht umgehend nachgeholt. Mit mehreren Beispielen untermauerte er seine Kritik und führte ähnliche Textpassagen aus den Romanen Champagnerküsschen von Martina Gercke und Höhenrausch von Ildiko von Kürthy auf. Der Stein kam ins Rollen und löste eine Lawine aus.

→ die Diskussion auf Amazon im Original

Autorin bezieht Stellung

Die Rezension von AP wurde von den meisten Amazon-Usern als hilfreich bewertet und fand sich fortan ganz oben. Mit jeder neuen Textstelle in den Kommentaren wurde die Kritik lauter und die Zahl der enttäuschten Leser wuchs. Am 20. November 2012 – also zwei Tage nach Beginn der Plagiatsdiskussion – meldete sich Autorin Martina Gercke erstmals auf Amazon zu Wort und entschuldigte sich für die gefunden „Fehler“. Gleichzeitig versprach sie die genannten Textstellen umgehend abzuändern und das Ebook neu hochzuladen.

Die Leser fühlen sich betrogen

Womöglich hätte die erste Stellungnahme von Martina Gercke in Zeiten vor Karl-Theodor zu Guttenberg noch gereicht, um die Wogen zu glätten, doch spätestens seit Gutten-Plag sind die Leser für das Thema sensibilisiert und wissen zufällige Ähnlichkeiten von Kopien zu unterscheiden. Wohl auch deshalb trug die Entschuldigung der Autorin nicht zu einer Beruhigung der Situation bei, sondern brachte ihr nur neue Kritik ein. Von einem „sehr kläglichen Versuch“ war nun die Rede.

In einer weiteren Reaktion erbat sich Martina Gercke einen fairen Umgang mit sich und ihrem Buch, doch auch dieser Befreiungsschlag misslang. Hierzu muss man wissen: die Diskussion auf Amazon verlief bis zu diesem Zeitpunkt sachlich und fair. Anders auf Facebook, wo schnell Vergleiche mit zu Guttenberg gezogen wurden und unbelegte Plagiatsvorwürfe gegen Martina Gerckes Holunderküsschen erhoben wurden.

Fairness und Sachlichkeit

Die unbelegten Plagiatsvorwürfe gegen Holunderküsschen und einige andere Äußerungen auf Facebook haben mich zu später Stunde (es ist 1 Uhr) zu diesem Artikel bewogen. Ich möchte Martina Gercke weder mit Vorwürfen überhäufen, noch als ihr Verteidiger auftreten. Jedoch – und dies ist der Grund für diesen Artikel – möchte ich zu bedenken geben, dass aus einer Aufklärungskampagne schnell mal eine Hetzjagd wird.

Die Diskussion über Plagiate ist wichtig, zu wichtig, um durch Sprüche und persönliche Diffamierungen verwaschen zu werden. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, ist Martina Gercke als Autorin zu kritisieren. Hieraus jedoch pauschal abzuleiten, sie sei eine Betrügerin oder gar einer schlechter Mensch, wird weder der Sache, noch der Autorin gerecht.

Nachtrag 21.11.2012 – 12 Uhr

Mittlerweile ist leider auch in der Amazon Diskussion immer öfter in den Kommentaren der Jagdtrieb zu spüren. Der Debütroman von Martina Gercke Holunderküsschen wird nun ins Fadenkreuz genommen und auf vermeintliche Ungereihmtheiten abgeklopft. Man fühlt sich doch stark an die Affäre um Karl-Theodor zu Guttenberg erinnert, nur dass eben dieses Mal kein medienerfahrener Minister (mit einem Ministerium und unzähligen Mitarbeitern im Rücken) angegangen wird, sondern eine Autorin, die vor zwei Jahren kaum jemand kannte.

Menschlich tut mit Martina Gercke leid, denn egal wie die Geschichte für sie ausgeht, wird ihrem Namen im Internet (nicht nur als Autorin) auf ewig der Stempel „Plagiat“ anhaften. Und wie schwer mit solchen Altlasten zu leben ist, hat man ja am Beispiel von Bettina Wulff gesehen.

Und eine letzte Ergänzung: Nein, ich möchte Plagiate nicht bagatellisieren, mir geht es hier einzig und allein um die Art und Weise, wie Kritik immer öfter in unserer so modernen Gesellschaft geübt wird. Schnell, anonym und ohne Rücksicht auf Verluste. Den Faktencheck sollen bitte andere übernehmen.