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Mythos Schriftsteller: Beruf oder Berufung – Traum oder Albtraum

Der Beruf des Schriftstellers wird bekanntlich gerne mal glorifiziert, vor allem von jenen, die weit vom Alltag der Schreibenden entfernt sind. Freie Zeiteinteilung, kein Chef, Arbeiten im Park oder am Strand, dies sind nur einige wenige Klischees, über die man gerade im Internet immer wieder stolpert. Was meist in diesem Zusammenhang nicht beleuchtet wird, ist die Kehrseite der Medaille.

Carpe Noctem – Schreiben bei Nacht

Wer sich die Zeit frei einteilen kann, kann sie sich im Umkehrschluss auch selber entziehen. Freizeit ist ein kostbares Gut, um das sich viele ambitionierte Jungautoren gerne berauben. Wer am Tag nicht genug schafft, um den Zufriedenheitsspeicher aufzufüllen, muss in die Verlängerung und dies heißt nicht selten Nachtarbeit oder Wochenendschichten.

Keinen Chef zu haben bedeutet im Umkehrschluss, einen Arbeitsalltag ohne Mitarbeiter bestreiten zu müssen. An manchen Tagen ist dies ein Segen, doch auch hier ist nicht alles gold was glänzt. Die wenigsten Autorinnen und Autoren kommen auf die 16.000 Wörter pro Tag, die ein Mensch im Schnitt spricht. Und wenn sie es schaffen, geschieht dies so geballt, dass ihre Gesellschaft für Nichtschreiber nicht immer angenehm ist.

Wer theoretisch im Park und am Strand arbeiten könnte, der ist manchmal enttäuscht, dass er oder sie in Wirklichkeit in einem kleinen Arbeitszimmer sitzt, in dem überall Notizen und Bleistifte herumliegen, in der Ecke der Wäscheständer steht und aus dem Bad nebenan der Geruch der Katzentoilette herüberweht. Arbeitszimmer von Schriftstellern sind grundverschieden, doch selten decken sie sich mit dem Bild der Wohlfühloasen, wie sie das Klischee gerne zeichnet.

Schlaflos in NRW

Und wieso ich dies alles schreibe? Weil es gerade kurz vor drei in der Nacht ist und ich wieder mal nicht schlafen kann. Super, der weiß die schlaflose Zeit zu nutzen, während ich in ähnlicher Situation im Bett liege und die Decke anstarre, mag sich manch einer nun denken, doch nicht immer macht diese Art der Schlaftherapie Spaß.

Heute Nacht macht sie es. Und vielleicht ist dies dann auch wieder das wirkliche Schöne an der Tätigkeit als Autor. Egal ob als Hobby, Nebenberuf oder in Vollzeit, die Wörter suchen sich die ungewöhnlichsten Wege und Zeiten, um aus den Schreibenden herauszusprudeln. Eigentlich sind sie es, die frei sind und für die wir Bewunderung aufbringen, wenn wir über Schriftsteller reden.