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Literaturagentur: Was kann der Agent, was ich nicht kann?

Eine gute Frage. Kurze Antwort: viel. Lange Antwort: Manuskripte objektiv bewerten, Veröffentlichungschancen einschätzen, Verträge verhandeln, Autorenrechte wahren und noch etliche Dinge mehr. Das kann ich auch selber, hab doch BWL und Persönlichkeitsspaltung studiert, werden jetzt einige Autoren einwerfen. Diesen Menschen kann ich nur gratulieren. Für alle anderen ist nachfolgender Beitrag.

Der Autor und sein Baby – Objektivität über Bord

Ein Autor, sei er auch noch so talentiert, hat immer das Problem der fehlenden Distanz zu seiner Arbeit. Er sitzt mit seinen Manuskripten im selben Boot, was eine kritische und objektive Betrachtung der Gesamtsituation praktisch unmöglich macht. Ein bisschen ist es wie bei Schiffbruch mit Tiger (absoluter Lesetipp!). Der Autor merkt manchmal gar nicht, mit wem er dort unterwegs ist und bastelt sich kurzerhand seine eigene Realität.

Autoren bezeichnen ihre Manuskripte auch gerne mal als ihre Babys. Spätestens jetzt geht die Objektivität über Bord. Die Helikoptereltern kreisen über ihrem Nachwuchs und verteidigen ihn bis zum letzten Atemzug. Das Kind ist verhaltensauffällig? Niemals. Das Kind ist noch nicht reif für den Kindergarten? Niemals. Das Kind ist…

Die neutrale Instanz ohne rosarote Brille

Hier tritt der Agent auf die Bühne. Er ist erfahren im Umgang mit Manuskripten und kann ihre Stärken und Schwächen gut einschätzen. Anhand von Exposé und Leseprobe erkennt er schnell, ob ein Text Potential hat und es sich lohnt ihn ganz zu lesen. Nach der Lektüre hat er meist schon eine konkrete Vorstellung, welcher Verlag für das Manuskript infrage kommt, und was der Text wert ist.

Ja, der Text in Verbindung mit dem Autor ist etwas wert. Einen Grundbetrag X, dazu die Einnahmen Y aus den Nebenrechten und die zu erwartenden zukünftigen Verdienste Z. Der Agent macht jetzt mal eben einen Dreisatz und schon kann er grob einschätzen, ob sich eine Vertretung lohnt.

Kommt es nun zu einer Zusammenarbeit zwischen dem Autor und der Literaturagentur, ist der Agent bestens im Bilde, wenn er sich bei der nächsten Verlagsparty vordrängelt. Er ist für die Verlage ein zäher Verhandlungspartner, aber auch ein gern gesehener. Denn die Projekte, die er vorstellt, haben meist Qualität und das Potential, Bestseller zu werden. Darum steht er auch auf der Gästeliste.

Eine Win-Win-Win-Situation

Aus dem ungleichen Duo Autor – Verlag wird durch das Hinzuziehen einer Literaturagentur ein Trio, von dessen Zusammenspiel im Idealfall alle Beteiligten profitieren. Autor und Verlag finden in dem Agenten einen professionellen Ansprechpartner und Vermittler. Der Agent arbeitet auf Provisionsbasis und hat die bestmögliche Vertretung des Autors im Sinn. Einnahmen des Autors sind auch seine Einnahmen (meist 15-20%). Auf der anderen Seite ist er auch an einer harmonischen und dauerhaften Zusammenarbeit mit den Verlagen interessiert. Dies sorgt für eine Gleichgewicht der Kräfte und macht das Trio Autor – Agent – Verlag zu einem gut funktionierenden Team..

Eine Agenturliste und viele weitere Infos findet ihr auf der Themenseite Literaturagenturen.

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