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Lektor gesucht: wie man den richtigen Partner fürs eigene Buch findet

Mit der Wahl des Lektors verhält es sich wie mit der Partnersuche. Die Sache ist nicht einfach, Zweifel sind vorprogrammiert und bei der ersten Krise denkt manch einer vorschnell an Trennung. In den meisten Fällen jedoch überwiegt das Glück und die Beziehung wird alsbald persönlicher und vielschichtiger. Autor und Lektor kommunizieren schließlich in einer Sprache, die nur sie verstehen. Sie sitzen im Schaukelstuhl auf der Veranda des Lebens und beobachten die spielenden Bücher im Garten. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann …

Gute Lektoren sind wie gute Bücher

Die Aussage „Person XY ist ein guter Lektor“ ist genauso richtig oder falsch wie die Aussage „Roman XY ist ein gutes Buch“ oder „Wein XY ist ein edler Tropfen“. Geschmäcker sind verschieden und Wertungen über Qualität höchst subjektiv. Zwar gibt es durchaus freie Lektoren, die aufgrund ihrer langen Berufserfahrung aus jedem Manuskript etwas machen können, doch sie zu finden (und zu bezahlen) gehört zweifelsohne zum Großen Einmaleins des Autoren-Lebens.

Spricht man mit erfahrenen Schriftstellern, hört man auf die Frage nach dem „richtigen“ Lektor selten konkrete Namen, sondern eher allgemeine Empfehlungen wie sollte dein Genre kennen, muss zu dir passen oder hör auf dein Bauchgefühl. Dies macht durchaus Sinn, wenn man sich das Verhältnis Autor-Lektor als Partnerschaft vorstellt. Einem Single im Bekanntenkreis empfiehlt man schließlich auch eher eine gute Partnerbörse als den eigenen Partner.

Und wenn die Wahl des Bekannten am Ende doch auf den eigenen Partner fällt, ist dies in der Literatur kein Beinbruch. Ein Lektor schenkt seine „Liebe“ vielen Autoren und dies ist auch gut so. Denn würde er „monogam“ arbeiten, wäre die Abhängigkeit groß und die Betriebsblindheit auf Dauer vorprogrammiert. Schon deshalb ist ein Blick auf die Referenzen und aktuellen Kunden eines Lektors ein wichtiges Auswahlkriterium.

Singlebörse Lektorat – was will ich?

Die Chance den passenden Partner fürs eigene Buch zu finden steigen, je bewusster man sich macht, wen oder was man eigentlich sucht. Und wie beim Flirten gilt auch bei der Lektoren-Suche: Eine gesunde Portion Ehrlichkeit und Selbstreflexion machen das Unterfangen bedeutend einfacher.

Einige Anhaltspunkte für die Wahl des Lektors:

  • Einstellung: Passt man im Job zusammen? Autor und Lektor müssen nicht dieselbe Kaffeesorte und Musik mögen, sie sollten jedoch ähnliche Vorstellungen davon haben, wie gemeinsames Arbeiten aussieht. Über einen längeren Zeitraum sitzen sie virtuell in einem gemeinsamen Büro, da bleibt die eine oder andere Meinungsverschiedenheit nicht aus.
  • Zielsetzung: Wo soll es hingehen und was möchte man mit dem Lektorat erreichen? Wenn einer vom Seepferdchen träumt und der andere von Olympia, ist Enttäuschung auf beiden Seiten vorprogrammiert.
  • Chancen: Nicht jeder Text sollte veröffentlicht werden, nicht jeder Plot hat das Zeug zum Bestseller. Ein seriös arbeitender Lektor gibt bereitwillig Auskunft, wie er die Marktchancen des Manuskripts einschätzt und warnt vor Fehlinvestitionen. Er möchte nicht irgendwas lektorieren, sondern ein Manuskript mit Potenzial. Zu viel überschwängliches Lob im Vorfeld sollte den Autor stutzig werden lassen.
  • Stil: Lektoren sind wie Fernsehköche. Jeder macht das scheinbar Identische etwas anders. Einige arbeiten mit Kommentaren an der Seite, andere direkt im Text, einige tasten sich kapitelweise vorwärts, andere präsentieren ihr Können in einem Rutsch. Einen guten Eindruck über die Arbeitsweise gibt eine mehrseitige Lektoratsprobe, die von den meisten Lektoren kostenlos angeboten wird. Änderungen im Vorgehen können so frühzeitig besprochen werden.
  • Professionalität: Ist die Distanz zum eigenem Manuskript groß genug? Ein Lektorat macht nur Sinn, wenn der Autor bereit ist, am Text zu arbeiten. Selbstbeweihräucherung gibt’s kostenlos im Freundeskreis. Ein gutes Lektorat bedeutet in erster Linie Arbeit nicht Bestätigung. Wer nicht bereit ist, Sätze oder auch ganze Absätze zu streichen, der fährt mit einem Korrektorat besser und günstiger.
  • Genre: Viele Literaturgattungen haben klare Merkmale, die ein Lektor zwingend kennen sollte. Wer einen historischen Roman lektoriert, sollte wissen, welche Sprache in Dialogen Verwendung findet, wer Jugendliteratur lektoriert, ab welchem Alter welche Sex-Szenen erwartet bzw. tabu sind, wer Krimis lektoriert, wo die Unterschiede zwischen einem Whodunit und einem Ermittlerkrimi liegen. Oder um es anders zu sagen: Wer einen Techno-DJ für den Seniorennachmittag bucht, darf sich nicht wundern, wenn am Ende des Tages alle Beteiligten unzufrieden sind.
  • Preis: Der Preis richtet sich nach dem Arbeitsaufwand und wird entweder pro Stunde oder pro Normseite berechnet. Grundsätzlich ist das Angebot jedes Lektors Verhandlungssache, allerdings sollte man als Autor die Lektorensuche nicht mit einem Basar verwechseln. Wer bis zur Schmerzgrenze feilscht, erhält häufig auch ein Ergebnis nahe der Schmerzgrenze.
  • Kosten-Transparenz: Ist der Preis verhandelt und der Vertrag geschlossen, dann sollten beide Seiten wissen, was finanziell auf sie zukommt. So manch gutes Verhältnis zwischen Autor und Lektor wurde schon durch nachträgliche Preisverhandlungen vergiftet. Auch hier gilt: ehrlich währt am längsten.
  • Realitätsbezug: Lektoren sind Menschen! Ich wiederhole: Lektoren sind Menschen! Auch sie machen Fehler bzw. übersehen solche. 90 Prozent aller Manuskripte enthalten auch nach einem professionellen Lektorat den ein oder anderen Rechtschreibfehler. Ist das schlimm? Nein! Denn in den seltensten Fällen entscheidet die perfekte Orthografie, ob der Leser den Text mag oder nicht.
  • Chemie: Auch wenn sich Autor und Lektor mitunter nie persönlich begegnen werden, ist es doch unabdingbar, dass sie sich riechen können. Gegenseitiges Vertrauen spielt eine wichtige Rolle für die anhaltende Zufriedenheit. Und diese Zufriedenheit beider Partner ist das vielleicht wichtigste Kriterium für eine erfolgreiche und langfristige Zusammenarbeit.

Persönliches & Eure Erfahrungen

Für mich bzw. mein Buch Eusebia stand das Thema „Lektor gesucht“ vor einigen Wochen auf der Agenda. Nach Durchsicht von drei kostenlosen Lektoratsproben gab am Ende das Bauchgefühl den Ausschlag. Bisher habe ich den Eindruck, eine gute Wahl getroffen zu haben. Den ausführlichen Bericht gibt’s nach Abschluss des Lektorats – voraussichtlich in drei Wochen.

Um anderen Autorinnen und Autoren die Suche nach dem passenden Partner fürs eigene Buch zu erleichtern, werde ich in Kürze hier im Blog einige freie Lektorate vorstellen. Wer also seine Lektorin oder seinen Lektor empfehlen möchte, kann sich gerne via Facebook oder Mail bei mir melden.