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Inspiration entsteht im Alltag – Geschichten erfinden ist wie Puzzeln

Leser meiner Romane fragen oft, wie ich auf die vielen kleinen Ideen gekommen bin, die in meinen Geschichten stecken. Da sie die Antwort weiß nicht mehr nur schwer akzeptieren, versuche ich dann zu erklären, dass die meisten meiner Ideen nicht im konzentrierten Nachdenken entstehen, sondern ganz spontan aus Puzzleteilen des Alltags. Die Teile findet man überall, oft sogar direkt vor der eigenen Nase. Fernsehen und Internet sind eine ideale Fundgrube für skurrile Gedanken.

Augen auf im Internet – die Inspiration lauert überall

Lass dich vom Alltag inspirieren und puzzel deine eigene Geschichte. Klingt irgendwie banal, ist es auch. Aber nichts anderes machen viele Autoren, wenn sie einen Plot entwickeln. Die Ideen und Anregungen liegen überall kostenlos herum, man muss sie nur einsammeln und zusammensetzen.

Wer mich kennt weiß, dass ich kein Theoretiker bin und es dieses Posting nicht geben würde, wenn da nicht noch ein Beispiel folgen würde. Also möchte ich euch an meinem heutigen Spontan-Puzzle teilhaben lassen. Dies ist keine Anleitung, wie man Geschichten entwickelt, sondern mein Weg. Inspiration funktioniert bei jedem anders, bei manchen leider auch gar nicht.

Mein Puzzle

Ich habe vorhin auf buchreport.de gelesen, dass es in England bald Bücher auf Rezept (→ Artikel) geben soll. Diese zunächst sehr seltsam klingende Meldung setzte meinen Auto-Puzzle-Modus in Gang. Weitere Puzzleteile waren: eine Meldung von vorgestern, die besagte, dass Amazon „Coins“ als neue Bezahl-Methode testen möchte, die aktuelle Diskussion über Ministerin Schavan und ihren Doktor-Titel, verstaubte Erinnerungen an meine Schulzeit und das schreckliche Wort „Attestzwang“, Stichworte meines Blogs wie Gefälligkeitsrezension und Selbstverleger.

Am Ende sah das fertige Puzzle so aus:

„Herr Doktor, Herr Doktor, mir geht’s so schlecht.“
„Wo drückt der Schuh?“
„Ehrlich?“
„Mein Attestblock kennt nur dieses Wort.“
„Am Freitag schreiben wir eine Klausur.“
„Krankschreibung bis Montag?“
„Besser Dienstag, montagmorgens komme ich nie aus dem Bett.“
„Sonst noch was?“
„Ich bin traurig. Irgendwie leer.“
„Verstehe.“
„Vielleicht würde der neue Dan Brown helfen.“
„Das Buchprogramm ist eine ernste Sache.“
„Dann schreiben sie noch zwei Sachbücher mit aufs Rezept.“
„Man kann Bücher auch kaufen.“
„In meinem Zustand?“
„Wahrscheinlich haben sie recht.“
„Danke, Doc. Sie verstehen es, Menschen zu heilen.“
„Eine Hand wäscht die andere.“
„Attest und drei Bücher ergibt zwei Bewertungen, richtig?“
„Mein neuer Thriller würde sich über eine 5-Sterne Rezi freuen.“
„Dazu die Arztpraxis?“
„Hört sich gut an.“

Ein gutes Buch besteht aus vielen kleinen Ideen und nicht einer großen

Nur ein Dialog? Dialog, ja. Nur, nein. Das heutige Puzzle zeigt zwei interessante Figuren und ein Geheimnis bzw. eine Abhängigkeit, die für beide Seiten zum Problem werden könnte. Wichtige Zutaten für eine gute Geschichte.

Wer jetzt einen fertigen Roman-Plot erwartet hat, denn muss ich enttäuschen. Bei der Inspiration geht es nicht um ein konkretes Ergebnis, sondern darum, sich treiben zu lassen. Zumindest ist das bei mir so.

Je gedankenloser und unverkrampfter man die Puzzleteile zusammensetzt, desto überraschender ist das Ergebnis. Ziel beim Geschichten puzzeln ist eben nicht, sich mühsam dem Bild auf der Verpackung zu nähern, sondern etwas Neues und Einzigartiges zu erschaffen. Kleine Fragmente aus denen eines Tages vielleicht wirklich ein vor tollen Ideen sprudelnder Roman wird.

Mit dieser Methode, die eigentlich streng genommen nur aus der Handlungsanweisung nicht denken und treiben lassen besteht, entstanden viele meiner Roman-Szenen. So zum Beispiel auch die etwas verstörende Einstiegsszene in Auf der Suche nach Buddha. Wer hier die Puzzleteile lieferte, wird jedoch nicht verraten. Mein Leben war es glücklicherweise nicht. 😉