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Das Kindle Imperium schlägt zurück – Amazon löscht Rezensionen

Wenn im Internet über Indie-Autoren diskutiert wird, geht es oft auch um Rezensionen. 5-Sterne-Bewertungen von Büchern sind insbesondere unter Selbstverlegern heiß begehrt und der Missbrauch groß. Die Spanne reicht hier von erbetenen Rezensionen, über Tausch- und Gefälligkeits-Rezensionen, bis hin zu gekauften, gefälschten und selbst erstellten Rezensionen. Amazon greift nun offensichtlich hart durch und löscht reihenweise Rezensionen. Beginnt nun das große Bibbern in der Selfpublisher-Szene?

Verschwundene Rezensionen

Im Support Forum von KDP Select melden sich seit einigen Tagen immer mehr User, die über „verschwundene Rezensionen“ (→KDP) klagen. Mal sind es die eigenen, meist jedoch die der Leser. Laut User-Angaben sind die Verbindungen der Autoren zu den Rezensenten nicht existent oder nur marginal, was folglich für großes Unverständnis und Empörung bei den Betroffenen sorgt.

Kontaktiert man Amazon in dieser Angelegenheit, erhält man nicht selten eine automatisierte Antwort mit folgendem Wortlaut:

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihre Rezension von der Webseite entfernen mussten, da sie nicht unseren Rezensionsrichtlinien entsprochen hat.
Das Kundenkonto, unter dem die von uns entfernte Rezension verfasst wurde, weist gewisse Verwandtschaften oder Zusammenhänge zum Autoren oder Verlag des bewerteten Titels auf.

Glaubwürdigkeit von Produkt-Bewertungen

Über den schlechten Ruf der Indie-Autoren und die zweifelhafte Bedeutung von Rezensionen habe ich bereits hier im Blog geschrieben, doch bisher schienen dem Missbrauch Tür und Tor offen zu stehen. Dass Amazon nun versucht, die stark strapazierte Glaubwürdigkeit von Produkt-Bewertungen zu erhöhen, ist nur logisch und längst überfällig. Doch wie man dies erreichen möchte, ist derzeit noch ein großes Geheimnis.

Wann ist eine Rezension ehrlich und wann nur ein Freundschaftsdienst? Muss der Rezensent das Produkt gekauft haben oder ist es glaubhaft, dass er/sie es aus dem Bekanntenkreis kennt (oder bei Büchern aus der Bücherei)? Können Bekannte oder Verwandte kritisch über ein Buch schreiben oder sollten sie als „befangen“ aussortiert bzw. kenntlich gemacht werden? Kann ein kaum verkauftes Ebook auf natürliche Weise über 100 Rezensionen sammeln und dürfen Leser/Käufer zum Bewerten animiert werden?

Viele Fragen und wenig Antworten

Rund um die Rezensionen gibt es nicht nur hunderte offene Fragen, sondern auch eine stark wachsende Industrie. Das Vertrauen der Käufer in die Bewertungen ihrer (scheinbar kritischen) Mitmenschen ist trotz aller Debatten um Fälschungen ungebrochen. Produkte mit einem Bewertungsdurchschnitt von 4-5 Sternen verkaufen sich im Schnitt deutlich besser als nicht oder schlecht bewertete Produkte.

Amazon möchte nun offenbar verstärkt im KDP Bereich aufräumen und falschen Rezensionen an den Kragen. Dieser Vorsatz ist begrüßenswert und kann jeden „ehrlichen“ Autor/Verkäufer nur freuen. Allerdings dürfte die Methodik nicht nur Datenschützern schlaflose Nächte bereiten. Wie man mittels automatisierter Texterkennung und irgendwelcher Algorithmen die Spreu vom Weizen trennen möchte, bleibt vorerst das Geheimnis von Amazon. Der Willkür-Vorwurf steht bereits jetzt im Raum, dabei hat die Löschung von Rezensionen gerade erst begonnen.

Persönlicher Blick

Meine Bücher sind erst seit wenigen Wochen als Kindle Ebook erhältlich und haben noch keine Bewertungen (nicht mal eine netter 5-Sterne Bewertung aus der Familie). An dem „Rennen“ um gute Rezensionen habe ich mich nicht beteiligt, auch wenn mir dies von mehreren Seiten empfohlen wurde. Ich glaube immer noch an die natürlich gewachsene Popularität, selbst auf die Gefahr hin, dass dies hoffnungslos naiv ist.