Ebook Interview

Autorin Carina Bartsch im Interview: „Ich habe nie daran gedacht, das Schreiben aufzugeben“

Autorin Carina Bartsch

Für Carina Bartsch fiel der Erfolg nicht vom Himmel, sondern war der verdiente Lohn jahrelanger harter Arbeit. (Foto: Copyright Carina Bartsch)

Vom Tellerwäscher zum Millionär? Nicht ganz! Aber die Erfolgsgeschichte von Autorin Carina Bartsch ist zweifelsohne eine der schönsten, die der deutsche Literaturbetrieb zu bieten hat. Mit Anfang zwanzig schrieb sie ihre erste Kurzgeschichte und wusste von diesem Tag an, wofür ihr Herz schlägt. Jahre später gründete sie ihren eigenen Verlag und wurde alsbald für ihren Mut und ihre Ausdauer belohnt.

Im Interview erzählt sie, wie der sensationelle Erfolg von „Kirschroter Sommer“ und „Türkisgrüner Winter“ ihr Leben verändert und wieso Schreiben gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit viel mit Geduld, Takt und Rhythmus zu tun hat.

Steckbrief

Name: Carina Bartsch
Erste Schreiberfahrungen: Kurzgeschichten
Erstes eBook: Kirschroter Sommer
Veröffentlichungen: Bücher & eBooks von Carina Bartsch
Eigene Homepage: www.carinabartsch.de

Interview

ebooks-autoren.de: Hallo Carina, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, ein paar Fragen zu beantworten. Gerüchte besagen, dass Ende Januar eine junge Autorin grinsend durch Buchhandlungen im Großraum Erlangen stolzierte und die frisch ausgelegten Rowohlt-Bücher „Kirschroter Sommer“ und „Türkisgrüner Winter“ fotografierte. Hast du eine Vermutung, wer das gewesen sein könnte?

Carina Bartsch: Ich habe nicht die geringste Vorstellung, wen du meinst … Man sagt sich jedenfalls, die besagte blödgrinsende Autorin kommt auch jetzt noch an keiner einzigen Buchhandlung vorbei, ohne einen kurzen Blick hineingeworfen zu haben (das Fotografieren kann sie sich inzwischen verkneifen, wenn auch mit viel Mühe).

ebooks-autoren.de: Der Weg zu deiner ersten Veröffentlichung war alles andere als einfach. Was waren die wichtigsten Etappen und welche Rückschläge musstest du hinnehmen?

Carina Bartsch: Es gab sehr viele Etappen, kleinere und größere. Die erste große war vor mehreren Jahren, als ich mich überwunden habe, diversen Belletristik-Verlagen mein Manuskript vorzustellen. Doch egal wie viele Verlage ich angeschrieben habe, niemand zeigte Interesse. Stattdessen sammelte ich Standardabsagen. Der Stapel wurde immer größer, und damit einher sank die Motivation, es noch weiter zu versuchen und an ein Wunder zu glauben. Ich hatte damals keine Ahnung, was ich machen sollte. Schreiben war und ist das, was ich im Leben tun wollte, daran gab es keinen Zweifel. Aber wie soll man verfahren, wenn man nirgends eine Chance bekommt? Es hat eine ganze Weile gedauert, aber irgendwann kam mir die Frage in den Sinn, warum ich mein Leben eigentlich von anderen abhängig mache und brav warte, bis man mir eine Chance gibt. Es gibt auf der ganzen Welt genau einen Menschen, der für mein Leben verantwortlich ist – und der bin ich selbst. Also setzte ich mich wieder auf meinen Hosenboden, begann zu recherchieren, und suchte nach Alternativen, wie ich auch ohne die Hilfe eines Verlags Schriftsteller werden könnte. (Immerhin veröffentlichte ich schon jahrelang Geschichten im Internet und hatte entsprechendes Feedback von Lesern). Die Möglichkeit, selbst einen Verlag zu gründen, war mir durchaus bekannt, aber erst zu dieser Zeit begann ich mich richtig mit der Thematik auseinanderzusetzen. Ein halbes Jahr danach war der Entschluss gefallen: Ich würde es versuchen. Und 12 Monate und viel Arbeit später hielt ich zum ersten Mal ein gedrucktes Exemplar von „Kirschroter Sommer“ in den Händen.

ebooks-autoren.de: Hast du während dieser Zeit je ans Aufgeben gedacht?

Carina Bartsch: Ich habe nie daran gedacht, das Schreiben aufzugeben – das stand niemals zur Diskussion. Das Vorhaben dagegen, ein Buch zu veröffentlichen … ja, wenn ich ganz ehrlich bin, dann gab es durchaus Momente, in denen der ein oder andere Gedanke an Resignation in meinem Kopf aufgeblitzt ist. Ich bin sehr froh, dass ich mich dem nicht unterworfen habe.

ebooks-autoren.de: Die Gründung eines eigenen Verlags wird von vielen etablierten Schriftstellern als Verzweiflungstat abgetan. Was war deine Motivation und hattest du Angst vor diesem Schritt?

Carina Bartsch: Menschen haben leider sehr oft ein Schubladendenken, das ist richtig. Ich wurde häufig mit der Haltung „Verzweiflungstat“ oder „Du bist kein richtiger Autor“ konfrontiert und habe mich gerade in Anfangszeiten davon einschüchtern lassen. Inzwischen kann ich über derartiges elitäres Denken nur noch schmunzeln. Wie kann man als Autor seine Liebe zum Schreiben mehr beweisen, als die Bereitschaft zu zeigen, alles selbst zu machen? Den Buchsatz, das Cover, die Druckdatenerstellung, Werbung, den Vertrieb&Versand der Bücher, den Kontakt mit den Lesern und, und, und … Dadurch habe ich eine Bindung zu meinen Büchern bekommen, wie sie ein Verlagsautor niemals haben kann. Ein Manuskript beim Verlag abzugeben und dort den Rest machen zu lassen, ist ein Kinderspiel. Sich wirklich den Hintern für das eigene Buch aufgerissen zu haben, können dagegen nur die wenigsten von sich behaupten.

ebooks-autoren.de: Dein Erfolg als Autorin und Verlegerin blieb in der Literaturwelt nicht unbemerkt. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Rowohlt-Verlag?

Carina Bartsch: Nach dem Erfolg wurden mir so ein bisschen die Türen eingerannt. Es gab viel Interesse von großen Verlagen, und Rowohlt war schließlich derjenige, der mich am meisten überzeugen konnte. Ich habe die Entscheidung bis zum heutigen Tag keine Sekunde bereut.

ebooks-autoren.de: Nun bist du Verlags-Autorin bei Rowohlt mit einer Startauflage von 30.000 Exemplaren je Buch und musst dich daran gewöhnen, dass du neben Freunden und Unterstützern auch immer mehr „echte“ Fans hast. Wachst du nachts manchmal schweißgebadet auf und denkst, das war alles nur ein Traum?

Carina Bartsch: Ich bin zu 50% Verlagsautorin, zu 50% nach wie vor Selfpublisher und vertreibe meine eBooks selbst. Die Startauflage von je 30.000 Exemplaren pro Buch war gigantisch. Dass der Rowohlt-Verlag genau weiß, was er tut, zeigte sich schon zwei Wochen später, als „Kirschroter Sommer“ innerhalb kurzer Zeit in die zweite Auflage ging.

„Echte Fans“ hatte ich zuvor auch schon, immerhin habe ich in Eigenregie bis zur Veröffentlichung im Rowohlt Verlag rund 70.000 eBooks verkauft. Meine Gruppe von Freunden und privaten Unterstützern war tatsächlich eher sehr klein. Es gab niemanden, der mich über ein normales Maß hinaus gepusht hätte, ich hatte von Anfang an das Glück, nicht nur tolle, sondern auch wahnsinnig treue und engagierte Leser zu haben. Natürlich ist die Zahl seit der Veröffentlichung bei rororo aber noch mal ein ganzes Stück gewachsen.

Schweißgebadet aufzuwachen und mir die Frage zu stellen, ob ich träume, hat die letzten Monate doch ziemlich mein Leben bestimmt. Es ist toll, wie sich alles entwickelt hat, und ich erfreue mich jeden Tag daran, aber im Kopf ist das manchmal gar nicht so leicht zu begreifen. Ich war zuvor nicht unbedingt das, was man einen „Erfolgsgaranten“ nennt und wurde mit einer vollkommen neuen Situation konfrontiert. Damit muss man erst mal lernen umzugehen. Oftmals ist es auch sinnvoll, sich nicht jede Minute alles vor Augen zu führen, sondern einfach sein Ding weiter durchzuziehen. Inzwischen schlafe ich jedenfalls wieder durch und fühle mich bereit, alles zu meistern.

ebooks-autoren.de: Der Literaturnobelpreis ist noch ein gutes Stück entfernt, aber Autoren haben bekanntlich eine ausgeprägte Fantasie. Nehmen wir also mal an, du hättest ihn gewonnen und stündest in diesem Augenblick in Oslo auf der Bühne. Wie würde folgender Satz weitergehen: Vor allem danke ich…

Carina Bartsch: … Vor allem danke ich Michael Modler, der mich schon vor 30 Jahren (gemeinerweise) in einem Interview auf diese Frage vorbereitet hat!

Aber versuchen wir es doch mal ernsthaft:
… Vor allem danke ich all jenen, die mich immer so genommen haben, wie ich bin, mit allen Macken, die an mich geglaubt haben, wenn ich es selbst nicht tat, und die mich, auf welche Weise auch immer, im Leben weiterbrachten. Außerdem gehört mein Dank allen Menschen, die meine Geschichten in ihren Köpfen zum Leben erweckt haben.

ebooks-autoren.de: Nach der Veröffentlichung ist vor dem nächsten Buch. Welche neuen Projekte sind aktuell in Planung und wie gehst du mit dem wachsenden Erwartungsdruck um?

Carina Bartsch: Der Erwartungsdruck ist nicht ganz ohne. Wenn ich schreibe, versuche ich ihn auszublenden, weil mein Kopf sonst komplett dicht macht. Es gelingt mir nicht immer, aber ich arbeite daran. Letztendlich bleibt mir nichts anderes übrig, als wieder auf mein Gefühl zu hören. Immerhin lag das bei „Kirschroter Sommer“ und „Türkisgrüner Winter“ nicht unbedingt verkehrt.

Neue Veröffentlichungen sind auf jeden Fall geplant, aber wann genau es so weit sein wird, steht noch nicht fest. Ich bin keine Maschine, die eine Geschichte nach der anderen fabriziert, sondern brauche Zeit. Aktuell schreibe ich an einem neuen Buch. Es gibt aber auch noch das ein oder andere fast fertige Manuskript in meiner Schublade, das ich demnächst noch einmal hervorziehen und eine Veröffentlichung überdenken werde.

ebooks-autoren.de: Letzte Frage: wo siehst du dich als Autorin in fünf Jahren und welchen Rat möchtest du anderen Schreibenden mit auf den Weg geben?

Carina Bartsch: Ich habe ehrlich gesagt keine genaue Ahnung, was in fünf Jahren sein wird. Ich hoffe, dass ich zufrieden bin und immer noch mit der gleichen Leidenschaft dem geschriebenen Wort nachgehe. Jungen Autoren möchte ich auf dem Weg geben, dass man nichts überstürzen sollte, Handwerk braucht seine Zeit, und dass sie nicht aufgeben sollen. Wenn das Herz wirklich fürs Schreiben schlägt, dann wird auch irgendwann der Moment kommen, in dem der Takt in den richtigen Rhythmus findet.

ebooks-autoren.de: Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute.

Carina Bartsch: Ich habe zu danken! Das Interview hat mir viel Spaß gemacht und ich freue mich, dass du mir einen Platz auf deinem Blog einräumst. Wünsche dir auch alles Gute und hoffe, ich kann weiterhin viele neue Beiträge bei dir entdecken!.

(Fragen von Michael Modler)