Ebook Interview

Autor Michael Meisheit im Interview: „Wir leben in einer Umbruchzeit, was die kreative Arbeit angeht“

Michael Meisheit (Drehbuch)Autor

Roman- und Drehbuchautor Michael Meisheit (Foto: Steven Mahner)

Drehbuchautor Michael Meisheit fand über die TV-Kultserie „Lindenstraße“ zum Schreiben. Im November 2012 veröffentlichte er seinen Debütroman „Soap“ im Selbstverlag.

Im Interview erzählt er, wie Ebook und Selfpublishing ihn zum Romanautor machten und erläutert die Unterschiede zwischen Drehbuch und Roman.

Steckbrief

Name: Michael Meisheit
Erste Schreiberfahrungen: Drehbuch (Lindenstraße)
Erstes Ebook: Soap
Veröffentlichungen: Bücher & Videos von Michael Meisheit
Eigene Homepage: www.michaelmeisheit.de

Interview

ebooks-autoren.de: Roman-Autoren gibt es wie Sand am Meer, gerade in Zeiten des Ebooks. Drehbuchautoren der Lindenstraße sind hingegen eine seltene Spezies und du gehörst ihr seit vielen Jahren an. Wie kam es dazu und was macht diesen Job für dich so interessant?

Michael Meisheit: Zur „Lindenstraße“ bin ich während meines Studiums gekommen, als der Produzent Hans W. Geißendörfer an meiner Filmhochschule einen Gastvortrag gehalten hat. Eigentlich war ich damals kein sonderlicher Serien-Fan, aber ich kannte die „Lindenstraße“, weil meine damalige Freundin sie immer geschaut hat. Und ich halt mitschauen musste. Eigentlich wurde mir erst im Gespräch mit Geißendörfer klar, dass ich längst ein Fan war und es mir sehr gut vorstellen konnte, in diesem Mini-Kosmos die Fäden zu ziehen. Das macht den Job auch heute noch interessant: Ich hab da meine eigene kleine Welt, die ich in und auswendig kenne und in der alles passieren kann. An dem dann auch noch mehrere Millionen Menschen teilhaben.

ebooks-autoren.de: Deine Karriere bei der Lindenstraße begann bereits in den 1990er Jahren. Nun bist du nach über 15 Jahren Drehbuch zum Romanautor mutiert. War dies ein lange gehegter Traum oder die logische Folge einer schleichenden Entwicklung?

Michael Meisheit: Einen Roman zu schreiben, war schon immer ein Wunschtraum. Von dem ich durch das Drehbuchschreiben abgelenkt wurde, denn „was mit Film“ zu machen, war mindestens ebenso wichtig. Das Drehbuchschreiben war dann natürlich die perfekte Symbiose. Interessant wurde das mit dem Roman aktuell vor allem durch die neuen Möglichkeiten – eBook und Selfpublishing. Mein eigener Herr zu sein, interaktiv an dem Buch arbeiten zu können, das Internet kreativ zu nutzen, das hat mich sehr gereizt. Das hat den Anschub gegeben.

ebooks-autoren.de: Dein Debütroman „Soap“ erschien im November 2012 als Taschenbuch und Ebook. Wie fällt dein erstes Zwischenfazit aus?

Michael Meisheit: Es ist wahnsinnig spannend, sehr motivierend und frisst unfassbar viel Zeit. Eigentlich läuft es auch sehr gut. Mit über 200 verkauften Büchern in relativ kurzer Zeit bin ich ohne fehlende Verlags-PR gut dabei. Ich hab sehr viel positives Feedback bekommen – gerade die ja so wichtigen Amazon-Rezensionen sind zahlreich und überwiegend bei fünf Sternen. Aber ich habe – nicht zuletzt durch dieses Feedback – mehr und mehr das Gefühl, mit „Soap“ ist mehr drin. Es braucht nur noch ein paar Schritte und sicherlich auch etwas Glück …

ebooks-autoren.de: Du hast den langen Weg zur Veröffentlichung von „Soap“ in deinem Blog ausführlich und – wie ich finde – sehr schön dokumentiert. Man hat hier nicht das Gefühl, an einem Marketing-Event teilzunehmen, das zielsicher auf Tag X zusteuert, sondern erhält einen sehr vielschichtigen Blick auf die Person hinter dem Buch. Würdest du anderen Autoren zu ähnlicher Offenheit raten?

Michael Meisheit: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Vielen liegt das nicht. Bei mir war es auch kein Kalkül, sondern es macht mir einfach Spaß, emotional und subjektiv über das zu berichten, was gerade passiert. Und immer auch mit einem Augenzwinkern – von dem ja auch der Roman geprägt ist. Ich gebe auch beim Schreiben eines Drehbuchs oder eines Romans viel preis von mir. Auf diese Art zu bloggen ist für mich deswegen nur der logische nächste Schritt. Dass dadurch einige Leute besonders gerne den Blog lesen oder mich unterstützen, freut mich natürlich.

ebooks-autoren.de: Dein Blog ist sehr persönlich und bezieht unter anderem auch deine Frau und deine Kinder ein. Wo ziehst du die Grenzen zu deinem Privatleben und klappt dies auch immer in der Praxis?

Michael Meisheit: Ich treffe schon eine klare Auswahl bei den privaten Sachen, über die ich schreibe. Und es ist auch immer mit meiner Frau abgesprochen. Ich will mit den kleinen Anekdoten unterhalten, keine Gesprächstherapie machen – es werden also sicher keine realen, tiefen Probleme erörtert oder ähnliches.

ebooks-autoren.de: Die Veröffentlichung von „Soap“ liegt nun bald zwei Monate zurück und dein Endorphin-Spiegel dürfte sich langsam auf ein Normalmaß einpendeln. Lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt schon sagen, ob es weitere „Seifen-Produkte“ in Buchform von Michael Meisheit geben wird?

Michael Meisheit: Es wird weitere Produkte in Buchform geben. Das ist sicher. Und nur eine Frage der Zeit, an der es leider enorm mangelt. Ob die Bücher etwas mit Seife zu tun haben werden, kann dann der Blog-Leser entscheiden …

ebooks-autoren.de: Drehbuch oder Roman, was liegt dir von der Schreibtechnik mehr und was sind die größten Unterschiede?

Michael Meisheit: Der größte Unterschied ist die Bedeutung der Sprache. Bei einem Drehbuch tritt Wort für Wort nur an die Öffentlichkeit, was in den Dialogen vorkommt. Es bringt nichts, in die Szenenbeschreibungen eine wahnsinnig witzige oder emotionale Sprache zu bringen – der Zuschauer liest das ja nicht. Hier muss die Handlung funktionieren. In einem Roman dagegen ist der Schreibstil, die Sprache ein enorm wichtiges Instrument, um den Leser zu erreichen, die Stimmung rüberzubringen, all das. Der andere große Unterschied ist, dass ich beim Roman schreiben alles machen kann – beim Drehbuch gibt es immer die Grenze der Umsetzbarkeit. Kann man das filmen? Kann man das bezahlen? Kommt das gut rüber? Was mir mehr liegt? Kann ich nicht sagen. Ich entdecke aber gerade, dass es gut tut, hin und her zu wechseln.

ebooks-autoren.de: Angenommen deine Kinder kommen eines Tages zu dir und sagen „Papa wir wollen auch Schriftsteller werden“, was wäre deine Antwort?

Michael Meisheit: Legt los! Ist einer der tollsten Berufe der Welt! Aber erwartet nicht, dass es einfach so klappt. Man muss erst einmal viel lernen!

ebooks-autoren.de: Letzte Frage: wo siehst du dich als Autor in fünf Jahren und welchen Rat möchtest du anderen Schreibenden mit auf den Weg geben?

Michael Meisheit: Das ist für mich gerade genau die Frage, mit der ich experimentiere. Wird es in fünf oder zehn Jahren überhaupt noch „das Fernsehen“ geben wie heute? Was werden andere Betätigungsfelder für Autoren sein? Für mich persönlich glaube ich an Aktivitäten auf vielen verschiedenen Ebenen. Nicht nur Romane und Drehbücher. Auch neue, transmediale Formen – die reizen mich. Anderen Autoren kann ich das auch nur empfehlen: Wir leben in einer Umbruchzeit, was die kreative Arbeit angeht. Beschäftigt euch damit. Experimentiert. Denkt über Grenzen hinaus. Wann wenn nicht jetzt?

ebooks-autoren.de: Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute.

(Fragen von Michael Modler)